Spree – 6. Etappe
Veröffentlicht: 21 April 2011 Einsortiert unter: Spree Schreibe einen Kommentar »Man mag es kaum für möglich halten, aber selbst dieser Kanal hat am Morgen seinen Charme, wenn über dem Wasser der Nebel aufsteigt.
Fürstenwalder Spree
Heute ist unser letzter Paddeltag. Wir haben nur noch ein kurzes, ereignisarmes Stück vor uns und wollen nicht allzu spät in Fürstenwalde ankommen, weil wir für das Tourende keinen Shuttleservice zur Verfügung haben und dementsprechend die Heimreise selbst organisieren müssen.
Die Futtermittelfabrik kündigt mit ihrer Message “Futtermittel nach Maß” die nahende Ziviliation an.
Das Tor zu Fürstenwalde
Die Schleuse in Fürstenwalde müssen wir wieder mithilfe einer Lorenbahn umgehen. Dann kommen wir schon zu unserer anvisierten Aussetzstelle auf einer Wiese kurz hinter dem RC Fürstenwalde. Von hier aus erreiche ich schnell zu Fuß den Bahnhof, um aus Berlin das Auto für den Rücktransport zu holen.
Tagesetappe: 10,5 km
Fazit:
Insgesamt haben wir 109 Kilometer zurückgelegt, waren weitestgehend allein unterwegs und hatten dabei das beste Wetter, das man sich wünschen kann.
Unsere Entscheidung, ein Schlafzelt und ein Versorgungszelt mitzunehmen, hatte zwei Vorteile:
- bei schlechtem Wetter hätten wir einen trockenen, windgeschützten Aufenthaltsraum gehabt, der schnell aufzubauen ist,
- da wir immer wild gezeltet haben, war der psychologische Effekt, daß potentielle Bösewichte bei zwei aufgebauten Zelten unter Umständen von 4 Schläfern ausgehen müssen, nicht zu unterschätzen.
Nächstes Mal unbedingt kontrollieren, ob ich die Handcreme auch wirklich eingepackt habe.
Man hat nie zuviel Klopapier dabei.
Mit Neoprenschuhen kann man folgenlos auch in den ekligsten Schmodder treten.
Der XT-17 ist ein tolles Boot mit viel Stauraum, aber der Ladoga wirkt stabiler.
Spree – 5. Etappe
Veröffentlicht: 20 April 2011 Einsortiert unter: Spree Schreibe einen Kommentar »Heute Nacht war ja wieder was los! Die kleine Nervensäge war ganz unruhig, kläffte bei jeder Gelegenheit und war kaum zu beruhigen. Aber bei dem Geräusch (-> Hörprobe ranziger Fuchs
), insbesondere dann, wenn man überhaupt keinen Plan hat, was das sein könnte, kann man schon mal unruhig werden. Auch heute war also die Nachtruhe nicht wie erhofft, allerdings waren die Nachtgeräusche (irgendetwas fiel auch noch laut platschend ins Wasser) diesmal nicht nervig sondern eher spannend.
Nervensäge am Morgen
Den Startrekord von gestern können wir nicht unterbieten. Im Gegenteil. 11:15 Uhr zeigt die Uhr als wir wieder auf dem Wasser sind.
Wohin mit dem Bo?
Bei Neubrück biegen wir in die Drahendorfer Spree ein. Die Schleuse Neubrück ist wieder selbst zu bedienen. Wir haben schon Routine und vertreiben uns die Zeit zwischen den Arbeitsschritten mit Schattenspielen.
Schattenspiele
Am direkt folgenden Rastplatz müssen wir dringend unseren Wasservorrat auffüllen. Der Rastplatz selbst verfügt natürlich nicht über eine Wasserquelle. Das angrenzende Restaurant hat noch geschlossen. Also müssen wir bei einem Anwohner um Wasser bitten. Das ist zwar kein Problem, ich werde aber wohl nie verstehen, warum es nicht möglich ist, einen ausgewiesenen Rastplatz mit Wasserleitung und Toilette auszustatten. Ist es denn wirklich so teuer, einen Brunnen mit Handpumpe zu bauen. Und ist es so viel besser, die menschlichen Hinterlassenschaften in den Büschen zu ertragen anstatt ein Klo hinzustellen?
Na wie auch immer, wir haben, was wir wollen, und paddeln weiter. In Drahendorf kommt nochmal eine Bootsschleppe und da wir, wie schon die ganze Zeit über, praktisch allein auf dem Wasser sind, leisten wir uns den Luxus einer ausgedehnten Pause mit gleichzeitiger Blockade der Lorenbahn 
Drahendorfer Bootsschleppe
Danach ist Schluss mit Idylle und ich stelle mich seelisch auf Frachter, Wellen, Lärm und Gestank ein, denn wir erreichen die Fürstenwalder Spree, die gleichzeitig einen Teil des Oder-Spree-Kanals bildet. Aber, welch Überraschung, hier sind gar keine Frachter. Der Kanal ist zwar breit und langweilig, das Ufer mit Steinen befestigt, aber keine Berufsschifffahrt weit und breit. Das bietet uns die Gelegenheit einer kleinen Wettfahrt, aber die Lagerplatzsuche sollte in diesem Abschnitt nicht mehr so leicht sein. Die Uferbefestigung macht an vielen Stellen das Anlanden unmöglich, ein erster Platz, den wir in Augenschein nehmen, ist sumpfig und damit für uns unbewohnbar, auf einem zweiten sind wir praktisch auf dem Präsentierteller. Aber uns bleibt nichts anderes übrig als am Rande einer Kuhweide (ohne Kühe) kurz vor der Autobahnbrücke zu nächtigen.
Wir sind ganz offensichtlich nicht die ersten, die diesen Platz ausgewählt haben. Im Abstand von vielleicht 30 Metern finden wir drei alte Feuerstellen, alle zugemüllt mit Konservendosen, Zigarettenkippen und ähnlichem. An einer dieser Feuerstellen finden wir eine kaputte Pose. Gut, denke ich mir, waren es mal wieder die Angler. Paddler würden sowas nie machen
Ich bin mir zwar unsicher über die Zulässigkeit dieser Schlussfolgerung, denke aber nicht weiter drüber nach.
Heute Nacht schlafen wir ein mit dem lieblichen Rauschen der nahen Autobahn im Ohr.
Tagesetappe: 18 km
Spree – 4. Etappe
Veröffentlicht: 19 April 2011 Einsortiert unter: Spree Schreibe einen Kommentar »In dieser Nacht kam ich zu einer weltbewegenden Erkenntnis: lagere nie, nie, nie in der Nähe von Wildgänsen! Auf einem Feld in der Nähe hatten sie sich niedergelassen und hatten nichts besseres zu tun, als uns die ganze Nacht über durch ihren Lärm zu terrorisieren.
Sunrise over Leißnitz Lake
Ein weiterer kitschiger Sonnenaufgang begrüßt uns, kann mich aber nicht so recht für die durchwachte Nacht entschädigen. Wir lassen uns von dem Anblick nicht ablenken und packen zügig ein, sodass wir schon vor 10:00 Uhr auf dem Wasser sind.
Nach gut zwei Stunden erreichen wir Beeskow. Die hiesige Schleuse läuft automatisch, einmal pro Stunde. Wir haben massig Zeit bis zur nächsten Schleusung, und während die eine sich die Beine vertritt, legt die andere selbige hoch.
Warten auf Godot
Bei der Mittagsrast am Oegelnischen See plaudere ich ein wenig mit einem Angler. Er erzählt mir, daß er an dieser Stelle die Fische anfüttern würde, jeden Tag zur gleichen Zeit, etwa eine Woche lang, denn an Ostern wolle er angeln. Ich wundere mich im Stillen, ob das Anfüttern denn überhaupt erlaubt sei, und frage mich, ob es nicht auch sein könnte, daß jemand anderes seine Bemühungen ausnutzen könnte und ihm beim Angeln der Fische zuvorkommen könnte. Ich komme zu dem Schluss, dass so jemand ja dann auch wissen müsste, womit die Fische angefüttert worden sind, halte aber über meine Gedanken die Klappe.
Nach der Rast erreichen wir den schönsten Teil der Strecke und geniessen die Ruhe und Abgeschiedenheit auf dem Wasser. Auch der Lagerplatz soll der schönste der ganzen Tour sein. In einer leichten Kurve auf einer Anhöhe, den Fluss gut im Blick und den Wald im Rücken. Sehr idyllisch!
Tagesetappe: 22 km
Spree – 3. Etappe
Veröffentlicht: 18 April 2011 Einsortiert unter: Spree Schreibe einen Kommentar »
Wer bei Sonnenuntergang schlafen geht, ist bei Sonnenaufgang logischerweise wieder wach, zumindest, wenn es Mitte April ist und sich der Zeitraum zwischen den beiden Ereignissen auf 21:00 Uhr – 6:00 Uhr erstreckt. Der heutige Tag soll der längste der ganzen Tour werden. Wir haben das Gefühl, den kurzen letzten Tag aufholen zu müssen und befürchten, andernfalls schon in Beeskow aussetzen zu müssen.
Die Strecke heute gefällt uns nicht ganz so sehr. Keine Ahnung wieso. Vielleicht weil hier alles ein bisschen enger ist, ein bisschen mehr zugewachsen, und ein bisschen zuviele Dörfer passiert werden.
Die Schleuse Kossenblatt müssen wir umtragen, was aber dank Lorenbahn unkompliziert ist. Obwohl, dieses schwere Ding samt vollbeladenem Boot aus dem Wasser zu ziehen, erfordert schon eine Menge Kraft. Zu zweit ist es ok, aber alleine könnte so manche an ihre Grenze stoßen. In Kossenblatt selbst legen wir an, um im örtlichen Landhandel ein paar Vorräte aufzufrischen. Der Landhandel ist so ein typischer Dorfladen, in dem es alles gibt: Lebensmittel, Hausrat, Imbiss, Paket-, Bestell- und sogar Reiseservice. Öffnungszeiten: 7:00 Uhr – 16:00 Uhr. Kürzlich las ich davon, daß der gute alte Tante Emma Laden seine Auferstehung feiert. Hier kann ich mich von der Richtigkeit dieser Behauptung überzeugen.
Die Schleuse in Trebatsch ist eigentlich keine mehr, denn sie steht offen und es gibt auch keinerlei Gefälle. Man kann einfach so durchfahren. Wir beschließen, heute mal einen Campingplatz anzusteuern. Eine heisse Dusche würde uns wohl gut tun. Dafür biegen wir hinter Trebatsch in die Alte Spree ab, wohl wissend, dass wir uns damit einen Umweg einhandeln, und paddeln zum Campingplatz Birkenwäldchen am Schwielochsee. Hier werden wir gleich von einem alten Dauercamper empfangen mit der Nachricht, daß der Platz eigentlich noch geschlossen sei. Wegen des langen Winters sei die Sanierung der Sanitärräume noch nicht abgeschlossen und es gäbe nur ein Plumpsklo. Verdammt!
Wir haben zwar schon 24 km zurückgelegt und eigentlich wäre es ein guter Zeitpunkt, jetzt Feierabend zu machen und einfach hier zu bleiben. Aber aus der Enttäuschung heraus, hier doch nicht vorgefunden zu haben, was wir erhofft hatten, füllen wir nur unseren Wasservorrat auf und legen wieder ab. Etwas weiter nördlich gibt es eine weitere Zeltmöglichkeit bei einem Campingverein. Die steuern wir an und müssen feststellen, daß hier 1. schon zwei Paddler ihr Lager aufgeschlagen haben, 2. Hunde auf dem Platz unerwünscht sind und 3. uns das anwesende Vereinsmitglied zu neugierig erscheint. Also wird kurzerhand wieder abgelegt und das Lager an einer schönen Stelle zwischen Glower See und Leißnitzsee aufgeschlagen.
Die Luft- und Wassertemperaturen haben sich inzwischen so gut entwickelt, daß ein kurzes Bad möglich ist, und so hält sich die Enttäuschung über die verpasste heisse Dusche doch in Grenzen.
Tagesetappe: 29 km
Spree – 2. Etappe
Veröffentlicht: 17 April 2011 Einsortiert unter: Spree Schreibe einen Kommentar »Bis auf eine kleine Autoparty auf irgendeinem Rastplatz (klar: Saturday Night in der Pampa) ist die Nacht ruhig und erholsam. Morgens beim frisch gekochten Espresso auf’s Wasser zu gucken, entschädigt für alle vorher durchlittenen Strapazen.
Seit unserer Landung gestern abend haben wir keine Menschenseele getroffen. Obwohl wir früh wach sind, zieht sich das morgendliche Ritual hin, sodaß wir wieder erst um 11 Uhr los kommen. Wir paddeln zur Schleuse Leibsch, bei der wir nun selbst Hand anlegen müssen. Das bedeutet, daß eine aussteigen muss, um die Schleuse zu bedienen, während die andere deren Boot im Schlepptau durch die Schleuse bugsiert. Das funktioniert auch alles prima und wir haben nun freie Fahrt zum Neuendorfer See.
Auch auf dem See ist so gut wie nichts los. Nicht mal Wind will so richtig aufkommen. Also können wir ganz entspannt unsere Boote zum Floß umfunktionieren, uns treiben lassen, dabei ein paar Snacks zur Stärkung zu uns nehmen und der kleinen Nervensäge beim Boathopping zuschauen. Nach anfänglicher Aufregung kommt auch sie immer besser mit den Gegebenheiten an Bord zurecht und hat ihre Reiseposition inzwischen auf die Öffnung hinter dem Cockpit verlagert. Das hindert sie aber nicht daran, ab und an das Gefährt zu wechseln, wenn man in ihre Reichweite kommt.
Auf dem Campingplatz auf der Halbinsel Raatsch füllen wir unsere Wasservorräte auf und biegen bei Alt Schadow wieder in die Spree ein. Hier können wir zusammen mit einem Zweier-Kajak einfach durchschleusen. An dem dort ansässigen Fischer komme ich aber nicht vorbei und muss zwei Forellen für’s Abendessen kaufen. Die Tiere werden für mich aus dem in die Spree eingelassenen Käfig geholt und mit ein/zwei Knüppelschlägen auf den Kopf zur Strecke gebracht. Dann werden sie mir gegen Bezahlung in einer Plastiktüte übergeben. Soviel zum Thema waidgerechtes Töten.
Mit den Fischen im Gepäck kann nun natürlich nicht mehr allzu lange gepaddelt werden. Zumindest sollten sie bald ausgenommen werden. Da uns noch die Umtrageaktion von gestern in den Knochen steckt und wir am Anfang der Saison sowieso noch nicht viel Kondition aufgebaut haben, fällt es uns nicht schwer, früh unser Lager aufzuschlagen. Das gibt uns außerdem Gelegenheit zur schnellen Körperwäsche und einer Siesta in der Hängematte.
Der Fisch ist natürlich köstlich, auch wenn er in der HA-Pfanne des Trangias nicht lange seine Form behält. Zwar nicht selbst gefangen, aber immerhin selbst ausgenommen ![]()
Tagesetappe: 12 km
